Montag, 22. Dezember 2014

Das boxende Schneewittchen: Aktuelle Artikel zum Thema

"Ach du Schreck, so viele Schneewittchen" (Anna Papathanasiou, "Christ & Welt" 53/2014)
"Schneewittchenfieber ist keine Bewegung. Vielmehr beobachte ich, dass die Frauen kapitulieren. Sie sehen keinen Sinn darin, die Strapazen der sogenannten Doppelbelastung auf sich zu nehmen, und bleiben lieber ganz zu Hause. Dort machen sie ihre Sache dann perfekt."

Monika Rühl: "Das Potenzial bei den Frauen ist begrenzt" (Interview "Nordwestschweiz", 17.12.2014, Thomas Schlittler und Gieri Cavelty)
"Einen fundamentalen Wechsel wird es nicht geben – auch darum, weil das Potenzial bei den Frauen begrenzt ist. Ich will keine Zwangsmassnahmen für Frauen, die ihre Kinder selber betreuen möchten."

"Notable Women On This Thing Called Feminism" (Jill Di Donato, "Huffington Post", 21.11.2014)
"We need a feminism that isn't afraid to love. We need to be careful of how we consume culture. We need to push back when we feel caged in as women. (...)  To me, these are feminism's goals. The following women explain it better than I, and in greater detail. Even if you think this message is familiar, read it again. Read what these women say, because even though there are no new stories, some bear repeating."

"Boxende Theologie-Studentin kämpft für Frauen im Priesteramt" (Hans Fahrländer, "Schweiz am Sonntag", 23.11.2014)
"Nach einem Tiefschlag aufstehen und weitermachen: Die Theologiestudentin Jacqueline Straub aus dem aargauischen Muri kämpft für die Frauenordination. In 10 bis 15 Jahren will die heute 24-Jährige Priesterin sein."

Sonntag, 7. Dezember 2014

Das "Shabby-Chic"-Biotop


Sie haben's schon wieder getan. "Studientage für dich und deine Kirche", heisst es in der Ausschreibung des neusten freikirchlichen Events in der Schweiz. Wohl vorausgesetzt, "deiner Kirche" sind Frauen egal. 

Als ich diese Woche das Programm der Konferenz "Elevate 2015" mit der rein männlichen Speakerliste sah, bin ich ziemlich wütend rüber ins Büro meiner Redaktionskollegen gestampft. "Ich darf ja dieses Thema wegen Befangenheit nicht mehr machen", sagte ich ihnen, "aber würde BITTE jemand von euch einen Beitrag darüber machen? Das. Geht. Einfach. Nicht.

Zurück an meinem Schreibtisch versuchte ich, meinen Ärger zu drosseln und das Beste aus der Situation zu machen: Ich schlug der SEA (Schweizerische Evangelische Allianz) per Mail vor, eine Frauenbeauftragte einzustellen. Denn offenbar geht es nicht ohne. Es steckt kein böser Wille hinter dem Problem (meistens zumindest), sondern blosse Ignoranz: Den meisten christlichen Leitungsgremien fehlt das Bewusstsein für Chancengleichheit.

Mit solchen Events raubt man(n) Frauen Chancen. Es geht nicht um die Einzelveranstaltung, sondern um eine grössere Perspektive: Rednerinnen und Redner sind die "Stars" der Szene, die Inspiratorinnen und Visonäre. Und ihre Namen ziehen Publikum an. Es ist wie bei den Bands an Festivals: Wer einmal gut war und das Publikum mitreissen konnte, wird wieder eingeladen. Nicht nur dort, auch von anderen. Wenn keine Frauen auftreten, ist dies also gleich doppelt fatal: Erstens, weil der betreffenden Konferenz dann etwas fehlt und zweitens, weil keine neue Frau in diesen "Zirkus" der christlichen Speaker eingebracht wurde. 

Damit stellen sich zwei Fragen.

1. Warum ist man da nicht schon viel weiter? 

Und 2. Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen? 


Warum ist es noch nicht normal, dass an christlichen Konferenzen Frauen sprechen und predigen? Mein Redaktionskollege, der sich des Themas angenommen hat, bemerkte, dass die meisten Frauen das offenbar selber gar nicht vermissen. Deswegen geht auch niemand auf die Barrikaden, und deshalb geht der Wandel auch so langsam. Obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder ausmachen, leben sie in einer Art Biotop. Ein Biotop, an dessen Eingang ein Schild "Wohlfühlen und Auftanken" hängt, liebevoll in trendy "Shabby Chic"-Stil dekoriert ist und wo man Chai-Tee trinkt und vielleicht hin und wieder einen Hugo. Wenn der Mann an einem Abend mal die Kinder übernimmt; er isch jo so en Guete. Innerhalb dieses Biotops gibt es reichlich Vorbilder und bewundernswerte Frauen. 

Frauen wie Lisa Bevere, Autorin von Büchern wie "Lioness: Arise!" und "Girls With Swords"; zum Beispiel. Die eigentlich eine kämpferische, motivierende Message beinhalten und im Frauen-Biotop auf fruchtbaren Boden fallen, viel gelesen werden, aber wohl auch innerhalb dieses Biotops bleiben. Denn immer ist das Frau-Sein das zentrale Thema. "Was ist meine Rolle?" - "Was ist meine Berufung?" Solange es dieses "Shabby-Chic"-Biotop noch gibt und Frauen sich so absondern, geht es nicht um übergeschlechtliche Inhalte. Und Männer merken nicht, dass Frauen auch zu frauenunabhängigen Themen valable Speaker sind. 

Ich mag Frauenfrühstücke und Ladies Events. Und gerade für Mütter sind solche Anlässe wohl sowas wie Ausgang - erfrischend und eine Abwechslung. Es ist gemütlich, unter Frauen zu sein. Und das ist der Punkt - es ist zu gemütlich. Das Frauen-Biotop gehört abgeschafft. Denn solange es diesen geschützten Rahmen im grossen Stil gibt, schliessen wir uns selber von den Bühnen der geschlechter-übergreifenden Veranstaltungen aus.

Womit wir bei der zweiten Frage sind, die ganz einfach zu beantworten ist: Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen? Weil Frauen genauso etwas zu sagen haben wie Männer. Und, langfristiger gedacht: Weil junge Frauen Vorbilder brauchen, die ihnen zeigen, dass auch sie den Mund aufmachen dürfen und sollen. Und zwar nicht nur im Frauen-Biotop - auch vor einem gemischten Publikum.
 
Lisa Bevere war übrigens zusammen mit ihrem Mann Key Speaker an der ICF-Konferenz vor zwei Jahren - es geht also. Es gibt positive Beispiele, gerade bei progressiven Freikirchen. Auch deshalb war ich enttäuscht über das Line-Up von "Elevate 2015": Organisiert wird die Konferenz nämlich vom ICF, ICF College und ISTL, Institutionen, die gegen aussen progressiv und modern wirken.

Raus aus dem Biotop, Frauen. Und Männer: Kämpft mit uns mit für mehr Frauen auf christlichen Bühnen. Ich glaube, ihr hättet da gar nichts dagegen.

Kommentare sind sehr willkommen, hier (noch) bei Blogger aber etwas schwierig. Wenn's nicht geht, besser auf meiner Facebook-Seite, auf Twitter, Mail oder Kontaktformular links auf dieser Seite.

Update: Begründung von ICF zu den fehlenden Frauen im Programm von "Elevate15": 

"Wir haben im ICF grundsätzlich keine 'Frauenquote' sondern laden Speaker ein - egal ob Mann oder Frau - die zum jeweiligen Event und Thema passen. Es ist aber halt schon so, dass vor allem Männer in dieser Domäne vertreten sind (ist ja bei uns im Staff auch so). Ich denke mal, dass in christlichen Kreisen halt das 'traditionelle' Familienbild mit der Frau zu Hause bei den Kids überwiegt." (Nicolas Legler, Mediensprecher ICF)


Mittwoch, 3. Dezember 2014

"Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?"

Die erste Rabbinerin in der Schweiz, "Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?", und das fehlende Frauenpriestertum: drei der Themen in der aktuellen Nummer der Zeitschrift "facultativ". Sie steht unter dem Titel "Frauen & Kirche" und kann gratis heruntergeladen werden, siehe hier. "Facultativ" ist die Zeitschrift der theologischen Fakultät der Universität Zürich. 


http://www.theologie.uzh.ch/fakultaet/dienstleistungen/oeffentlichkeitsarbeit/facultativ_02_2014_web.pdf

Dienstag, 18. November 2014

Krieg und Frieden

Zwei weise Männer haben mich mit ihren Worten in der letzten Woche getroffen - und verunsichert. Zwei Gelehrte, Theologen - und Friedensstifter. 

Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat." 

Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen. 

Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.

Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.

Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.

Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.

"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)

Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.

Sonntag, 9. November 2014

Ich will raus aus der Schublade!


Schönes Wochenende gehabt? Danke, ja, ich auch! Obwohl: Ich bin wieder mal in einer Schublade gelandet. Ja, passiert mir hin und wieder. Diesmal war es ausgerechnet eine von denen, die mir am unbequemsten sind: die Schublade „evangelikal“. Wieder einmal ist ein langer Artikel in einer Sonntagszeitung erschienen, der „die Freikirchen“ in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Sekten rückt. Grösster Kritikpunkt: konservative Werthaltungen. Zwar besagt die zitierte Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz bereits, dass es drei grobe Richtungen innerhalb der Freikirchen gibt (charismatisch, klassisch, konservativ). In die Schublade „evangelikal“ werden dann doch alle geworfen. Also, weil Freikirchenbesuche zu meinem Glauben gehören, auch ich.

Ich mag die Schublade nicht, weil sie für mich zu klein ist. Die Definition von „evangelikal“ lautet „am Evangelium orientiert“, also kurz gesagt, „bibeltreu“. Dass laut der Freikirchen-Studie nur die Hälfte der Mitglieder für eine wortwörtliche Auslegung der Bibel plädieren, zeigt bereits, dass dieser Begriff nicht pauschal verwendet werden dürfte.

Denn es gibt sie, die Liberalen in den Freikirchen. Und obwohl die konservativ Denkenden überwiegen, wird die Situation verzerrt, indem Medien genau diejenigen Probleme zitieren, welche auch innerhalb der Kirchenmauern heiss diskutiert werden. Kreationismus, ausserehelicher Sex und Homosexualität sind die drei Diskussionen, auf welche man als Besucherin einer Freikirche am meisten angesprochen wird – aber auch genau die Dinge, in welchen sich Gläubige untereinander am wenigsten einig sind. Innerhalb der Freikirchen findet vielerorts ein Diskurs statt über Punkte, in denen die traditionelle Auslegung der Bibel mit der heutigen Lebenswelt am stärksten auseinanderklafft. In evangelikalen Verbänden wird gerungen, wie das Wesen des christlichen Glaubens heute interpretiert werden soll, ohne es zu verleugnen.

Ich wünsche mir, dass diese Diskussion transparenter geführt wird. Dass kirchliche Leitungspersonen zugeben können, dass sie oft überfordert sind mit ihrer Aufgabe, das Christentum in der heutigen Zeit zu vertreten. Einer Zeit, wo manche der jahrtausende alten Worte der Bibel irritieren – und zwar nicht positiv. Dass Freikirchen es wagen würden, traditionelle Interpretationen zumindest zur Diskussion zu stellen, wäre dringend nötig. Denn wenn sie gegen aussen mit fixen Wertehaltungen auftreten, obwohl hinter den Kulissen die Diskussion brodelt, schadet dies nicht nur dem Image. Es verärgert auch diejenigen in den eigenen Reihen, die an der Diskrepanz zwischen Dogma und Lebenswelt verzweifeln. Oder die mit guten Argumenten eine andere Meinung als die Kirche haben, aber in der Öffentlichkeit nicht gehört werden.

Gäbe es mehr Transparenz, würden die Besucherinnen und Besucher der Freikirchen vielleicht weniger oft pauschal als konservativ, weltfremd und intolerant abgestempelt. (Oder, dies ist mir persönlich manchmal nicht klar, als leichte Beute, die man vor den bösen Predigern beschützen müsste...) „Freikirchlerinnen“ und „Freikirchler“ sind ganz normale Menschen. Die meisten durchaus intelligent genug, für sich selber zu denken und ihre Meinung aus verschiedenen Quellen und Inspirationen zu bilden. Ich wünschte mir, dass die Öffentlichkeit das mehr anerkennt - aber auch die Leitungsgremien der Freikirchen, damit Diskurse geöffnet werden.



(Im angelsächsischen Raum ist dies bereits geschehen: Shane Claybourne und Brian McLaren plädieren für grundlegend andere Kirchenformen – beide auf unterschiedliche Weise. Die Sängerin Vicky Beeching hat extra einen Master in Theologie gemacht, um festzustellen, dass sich Homosexualität und Glaube nicht ausschliessen. Und der Pastor Rob Bell spaltet mit seinen kontroversen Ansichten zu verschiedenen Themen die amerikanischen Kirchen. So werden andere Ansichten als die traditionellen Überlieferungen zumindest zur Diskussion gestellt. Für Menschen, die im Glauben einfache Antworten suchen, macht es dies nicht einfacher. Aber selber denken rules!)

Sonntag, 2. November 2014

Tania Harris: Leben in Kommunikation mit Gott


Heute habe ich eines meiner Vorbilder getroffen: die Australierin Tania Harris. 
Quelle: godconversations.com
Tania spürte Anfang 20 den grossen Wunsch, Gottes Stimme deutlich zu hören und herauszufinden, wie er zu Menschen redet. Auf ihrer persönlichen Reise hat sie dazu so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, dass sie vor einigen Jahren die Arbeit „God Conversations“ gründete. Ihr Ziel ist es, Menschen zu sagen, dass Gott heute noch spricht, und ihnen zu helfen, Gottes Stimme zu hören und zu verstehen.
In ihrem Podcast habe ich in den letzten zwei Jahren viel gelernt. Da ich oft und lebhaft träume und mich oft auch gut an meine Träume erinnere, hat mich auch ihr Hörbuch Awaken your dreams sehr angesprochen. Manchmal gibt es Träume, die anders sind, bei denen man merkt, dass darin etwas Hilfreiches für das eigene Leben verborgen liegt. Tania hat eine Art „Werkzeug“ entwickelt, mit denen man solche Träume ohne jeden Hokuspokus interpretieren kann. Im Moment geht sie in ihrem Podcast auf das letzte Buch der Bibel ein: die Offenbarung. Und da Johannes diese Vision als eine Art Traum hatte, geht sie die Offenbarung mit genau dem gleichen „Werkzeug“ an wie in „Awaken your dreams“. Eine theologische Vorgehensweise, die mich sehr fasziniert und in ihrer Unerschrockenheit angesichts dieses mysteriösen und umstrittenen Buches überzeugt.
Tania hat in ihrem Leben gelernt, auf Gott zu hören und im Vertrauen Schritte zu gehen, die zuerst absurd erscheinen. Aufgewachsen ist sie in einer sehr konservativen christlichen Gemeinschaft und war schockiert, als etwas später ihre neue Gemeinde eine Frau als Pastorin anstellte. Damit wurde sie auf ihre eigene Berufung als Pastorin vorbereitet. Heute ist neben den „God Conversations“ auch die Ermutigung von Frauen in leitenden Positionen bzw. auf dem Weg dorthin ein wichtiges Thema für sie. Tanias Geschichte, die sie in einer Folge ihres Podcasts erzählt hat, war für mich einer der Anstösse, „Feminism OMG“ zu starten.  
Mit ihrem Mut, ihrer Autorität, Intelligenz, ihrer Femininität und positiven Ausstrahlung ist sie für mich ein grosses Vorbild. Ein Vorbild, die eigene Berufung herauszufinden und ihr entlang der persönlichen Freundschaft mit Gott nachzugehen. Es war schön, Tania Harris heute im Rahmen einer Predigt in der GVC Uster persönlich zu treffen und mit ihr auszutauschen!

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Neues Online-Magazin "Propel"

Die australische Pastorin, Aktivistin ("A-21"-Kampagne gegen Frauenhandel) und international gefragte Rednerin Christine Caine hat ein neues Eisen im Feuer: Das Online-Magazin "Propel - Women Who Lead". 

www.propelwomen.org
 
"Propel" ist ein englischsprachiges Online-Magazin, das sich an Frauen in Leitungspositionen richtet - an Powerfrauen wie Christine Caine selber. Titel passt: "to propel" heisst antreiben, motivieren. Das Magazin startet offiziell 2015, aber die Null-Ausgabe steht jetzt schon zum Download zur Verfügung. 

Für mich ist es eine tolle Mischung aus "Quitting is not an option" und "listen to God and to your heart" - die Haltung, die ich von Christine auch aus ihren Podcasts kenne. So viel authentischer und praktischer als die Philosophien der "Wohlstandsevangelisten", bei denen der Erfolg automatisch kommen soll, wenn man mit Gott lebt. Wozu auch harte Arbeit, Know-How, aber auch: Spass an der Arbeit? Sie verkörpert für mich eine Frau, die eine Berufung hat, diese kennt, und sich mit ihrer ganzen Leidenschaft dafür einsetzt. Das kommt auch im Magazin vor: Die Kernbegriffe "Passion", "Purpose" und "Potential" werden angetippt, aus der Sicht christlicher Unternehmerinnen und Kaderfrauen und mit biblischer Komponente

Ich lese Magazine zwar immer lieber offline als am Bildschirm und bin nicht begeistert vom Format über ISSUU. Abgesehen davon ist "Propel" aber interessant: ein attraktiv aufgemachtes Magazin mit eher kurzen Artikeln, Erfahrungsberichten von Unternehmerinnen anstatt zu vielen konkreten "So wird's gemacht!"-Tipps. Dann gibt's Kurzinterviews zum Thema Leiterschaft. Dazu ein Artikel mit statistischen Fakten zu den verschiedenen Lebensbereichen von Frauen (Studie für das Buch "Wonder Women", hab ich aber noch nicht gelesen).

Besonders angesprochen hat mich "Three Things I Would Tell My 20-Year-Old Self" von Carolyn Haggard. Zwar bin ich nicht mehr 20, aber da meine Karriereplanung natürlich noch nicht abgeschlossen ist, war der Artikel interessant. Vor allem zwei Punkte: 

1. Es gibt einen grossen Unterschied dazwischen, einen Titel zu besitzen, und Einfluss zu haben. Eigne dir lieber gezielt nützliche Kompetenzen an, anstatt den Fokus auf einen bestimmten Titel zu legen. Ich persönlich denke, beides schliesst sich nicht aus, aber es schadet nicht, sich die Chancen von Weiterbildungen und der Aneignung von Kompetenzen bewusst zu machen, die zu der angestrebten Position führen sollen.

2. Unterschied zwischen einem Lebenslauf (resume) und einem guten Ruf (reputation). Carolyn Haggard unterstreicht die Wichtigkeit, täglich professionell, engagiert, respektvoll zu arbeiten - zusammengefasst: die Wichtigkeit einer guten Arbeitsmoral. Für mich liegt der Wert da einerseits in der Authentizität und Vorbildfunktion einer Führungsperson. Andererseits glaube ich aber auch stark an Disziplin und Professionalität - auch als Teammitglied, um die anderen nicht hängen zu lassen. 

Beide Punkte gelten nicht spezifisch für Frauen. Wie auch viele der anderen Artikel in "Propel" nicht. Aber die Denkmuster von Frauen, eine gewisse Emotionalität, werden in dem Magazin auf konstruktive Weise aufgenommen, um Chancen und Strategien aufzuzeigen.

Ähnlich übrigens wie das Magazin "Ladies Drive" (Unterschied: dieses ist säkular, und auch offline erhältlich). 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Der rote Faden

In einem früheren Blogeintrag habe ich erzählt, dass ich als "Rezept" für die eigene Lebensgestaltung an eine Mischung aus relaxtem Gottvertrauen und selbstbewussten Entscheidungen glaube. Wenn man zurückblickt, wird oft ein roter Faden sichtbar, den man zuvor nicht erkannt hat. Wie Fussspuren, die auf den heutigen Moment hingeführt haben. Das kann grundsätzlich negativ oder positiv sein, denn manchmal läuft man durch eine Folge von, sagen wir, suboptimalen Entscheidungen auch in Sackgassen. Aber wenn man mit Gott unterwegs ist, erkennt man rückblickend auch, wo er Türen geöffnet und Entscheidungen erleichtert hat.

Um diesen roten Faden geht es in der aktuellen Serie des ICF Basel: Es geht um die biblische Figur Esther. Dieser mutigen, schönen Frau ist ein ganzes Buch in der Bibel gewidmet, und es ist darin eine der spannendsten Geschichten. Doch gleichzeitig ist sie so brisant, dass Martin Luther gesagt haben soll, er wünschte sich, das Buch Esther wäre nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden.

Es um diesen roten Faden, um Berufung. In der ersten Predigt der Serie führt der Pastor ein Interview mit der Präsidentin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Elisabeth Schirmer. Sie erzählt, wie sie zu dieser Stelle kam, ohne diese Position angestrebt zu haben. Hörenswert. 

Rembrandt, 1660. Quelle: http://www.womeninthebible.net/paintings_esther.htm

Freitag, 10. Oktober 2014

Frauen der Bibel

Die in der Bibel erwähnten Frauen sind so unterschiedlich wie die Frauen heute: Die einen sind in ihrem Leben grandios gescheitert, andere haben so viel Macht, dass sie Armeen in den Krieg führen. Die einen sind blutjung und wagen trotzdem Grosses, andere sind alt und erleben trotzdem noch Abenteuer.

Radio Life Channel kürt diese und nächste Woche die "Miss Bibel" - beziehungsweise, die Hörerinnen und Hörer können auf Facebook darüber abstimmen, welche Frau der Bibel sie am meisten beeindruckt. Pfarrer Philipp Kohli hat die zehn Finalistinnen ausgesucht und stellt sie kurz und spannend vor. Die ersten fünf Beiträge der Serie sind bereits online.

Et voilà:  

http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Serien/Thema-der-Woche/Miss-Bibel-Wahl-Maria-von-Magdala

Donnerstag, 18. September 2014

Es gibt genug fähige Frauen


Die Forderung steht wieder einmal im Raum: Diese Woche schlug Justizministerin Simonetta Sommaruga vor, dass börsenkotierte Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent in ihren Verwaltungsräten haben sollten. 

Headhunterin Doris Aebi im Interview mit dem "Tages-Anzeiger": "Ich persönlich kann grundsätzlich mit oder ohne Frauenquote für Verwaltungsräte leben. Viel entscheidender für mich ist, dass die Rolle der Frauen im Verwaltungsrat ernst genommen wird."  

Bild: www.tagesschau.de

Während oft damit argumentiert wird, dass bei der Personalrekrutierung Kompetenz vor Geschlecht gehen muss und abschätzig von "Quotenfrauen" gesprochen wird, bin ich grundsätzlich für Frauenquoten. Offenbar geht zwar einiges vorwärts, wie dieser Beitrag im "10vor10" illustriert. Aber eine vorgeschriebene Frauenquote würde noch mehr Firmen dazu bringen, die Suche nach geeigneten Personen auszuweiten und die Stellenvergabe transparenter machen. Und noch nebenbei: 30 Prozent sind nicht viel. Im Gegenteil. Es ist eine Schande, dass der Frauenanteil heute bei den betreffenden Unternehmen nur bei 12 Prozent liegt.

Vor einem Jahr stellte meine Kollegin bei Radio Life Channel die Frage nach einer Frauenquote in der Kirchenleitung. (Der Kurzbeitrag kann online nachgehört werden.) Erst befragte sie den Schweizerischen katholischen Frauenbund. In der katholischen Kirche sind Frauen zwar in der Basis gut vertreten, jedoch aus dogmatischen Gründen vom Priesteramt ausgeschlossen. Die Präsidentin des Pfarrvereins der Zürcher Reformierten, Gina Schibler, meinte, dass es bei den Pfarrerinnen keine Quote mehr brauche. Sondern eher bei Ämtern wie Kirchenrat und Kirchenpflege. Ihr Kollege, der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller, widersprach ihr, weil eine Frauenquote die Personalsuche für diese Ämter noch schwieriger gestalten würde. Das Verhältnis werde sich im Laufe der Zeit auch ohne Quote ausbalancieren, meint er. 

In Kirchen und Freikirchen eine Frauenquote durchsetzen zu wollen, wäre ein chancenloses Unterfangen. Pastorinnen, Pastoren werden von den Kirchenmitgliedern selbst gewählt. Wenn also eine Gemeinde keine Frau als Leitungsperson will, wird es auch keine geben. 

Wo aber meines Erachtens Frauenquoten Sinn machen würden, sind Ausbildungsstätten (siehe Universität Bern und auch der Streit an der Uni Basel). Kirchenpflege, Ältestenrat, Vorstand - in diesen Gremien gibt es heute schon Frauen, doch auch da wäre eine Frauenquote keine dumme Idee. Solche Positionen sind für Frauen theologisch sogar aus der komplementären Sichtweise vertretbar, da sie in diesen Ämtern weder eine Lehrfunktion, noch, genau genommen, eine Leitungsfunktion über dem Mann einnehmen. 

Wo Frauen in solchen Gremien vertreten sind, gewöhnen sich Männer wie auch die anderen Frauen innerhalb der Kirchgemeinde daran, dass Frauen mitreden. Man würde bei der Auswahl von Leuten zum Beispiel für einen Vorstand selbstverständlicher auch Frauen in Betracht ziehen. Frauen müssten mit mehr Engagement gefördert werden, um sie für solche Positionen fit zu machen. Wo Frauen mitreden dürfen, können sie beweisen, dass sie genauso weise und vom Heiligen Geist geleitet Entscheidungen beeinflussen können. Und schlussendlich würde diese Einsicht hoffentlich dazu führen, dass mehr Kirchgemeinden Frauen auch als Pastorinnen zulassen würden.

Insofern wäre eine Frauenquote in kirchlichen Gremien eine kleine Trittleiter. Wir schaffen es auch ohne - aber schaden würde sie nichts. Denn was Doris Aebi im "Tages-Anzeiger"-Interview in Bezug auf die Schweizer Verwaltungsräte sagt, gilt zweifellos auch für die Kirche: Es gibt genug fähige Frauen.  

Dienstag, 9. September 2014

Die Kirche hat ein Männerproblem

"Die Kirche ist verweiblicht" - diese These höre ich immer wieder mal. Weil Spiritualität, Gesang, Bibellesen, in-sich-gehen und überhaupt an etwas glauben, das man nicht direkt sieht, Frauen leichter fällt als Männern. Und: Weil Kirche, so wie sie ist, für Männer nicht attraktiv ist.

Reflexartig denke ich bei der These der verweiblichten Kirche: "Wer hat denn das Sagen?!" Männer prägen die Kirche viel stärker als Frauen. Doch es ist verzwickter.  

David Murrow hat darüber ein Buch geschrieben: "Why Men Hate Going to Church". Das Buch selber habe ich noch nicht gelesen, aber einen längeren Artikel von Murrow auf CBN.

"When men need spiritual sustenance, they go to the wilderness, the workplace, the garage, or the corner bar. They watch their heroes in the stadium or on the racetrack. They plunge into a novel or sneak off to a movie. Church is one of the last places men look for God." David Murrow

Die Kirche hat nicht nur ein Frauenproblem, sie hat auch ein Männerproblem. Schön, dass es Events gibt wie die ICF Men's World letztes Wochenende, die Männer (wahrscheinlich, ich war ja nicht dort) auf männliche Art und Weise ansprechen. Leider fiel aber die Berichterstattung unglücklich aus: "Die Hoffnung der Kirche sind die Männer", so der Titel des Artikels auf livenet.ch. "Na, dann können wir Frauen ja die Kirche sein lassen...", der Kommentar meiner Mitarbeiterin. 

Auch wenn der Redner dies wohl wortwörtlich so gesagt hat - so simpel ist auch das sicher nicht. Im Artikel wird angetönt, was er gemeint hat: Männer haben viel mehr Einfluss darauf, ob ihre Familien zur Kirche gehen oder nicht. Wenn eine verheiratete Frau frisch damit beginnt, sich in einer Kirche zu engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend klein, dass ihr Mann plötzlich mitkommt. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit hingegen relativ gross. Logisch, dass Kirchen also mehr daran liegen sollte, Männer besser zu erreichen. 

Interessanterweise sagt David Murrow, dass die Frauen dort wieder eine zentrale Rolle spielen: 

"I truly believe women must play a key role if men are to return. Because women dominate in attendance, leadership, and volunteerism, they hold great sway in the local church (even if they don’t realize it)."

Und dann kommt der Haken: 

"Women must humble themselves, pray, and allow the men of the church to lead the body toward an adventure. (...) Women, will you allow yourselves to be swept into this adventure, or will you stick with the safe, predictable, tried, and true? Will you allow men to take risks, dream big, and push the envelope within your local church? God made men for adventure, achievement, and challenge, and if they can’t find those things in church, they’re going to find them somewhere else. But if you allow your church to embark on a great adventure, the men will return. Slowly but surely, they will return."

Männer, die selbstbewusst, stark, liebevoll, schräg, echt, auf ihre Art und Weise Kirche mitgestalten? Ja, gerne! Aber nicht auf Kosten der Chancengleichheit. 

Tyler Vinyard an der ICF Men's World stiess ins gleiche Horn wie Murrow: 

"Tyler Vinyard sprach von 'Godly leaders', also göttlichen Leitern, die in der Familie, in der Kirche und in der Geschäftswelt den Unterschied machen könnten. Unter einem 'Godly leader' versteht er:

  • Leiter, die von göttlichen Prinzipien und Werten geleitet werden.
  • Leiter, die zu ihrer eigenen Verletzlichkeit stehen und dadurch glaubwürdig sind.
  • Leiter, die im Vertrauen auf den Herrn ruhen können und Gott erlauben, für sie und mit ihnen zu kämpfen.
  • Leiter, die erkennen, dass das Gute in ihrem Leben von oben kommt." (Quelle: livenet.ch)
Leider ging bei der Berichterstattung der nicht unbedeutende Fact unter, dass das englische Wort "leader" für Frauen wie für Männer gilt... Hier könnte man genauso gut "Leiterinnen und Leiter" schreiben.

Meiner Meinung nach bräuchte eine lebendige, attraktive Kirche weder Frauen, die sich bescheiden zurückziehen, um den Männern und ihren Abenteuern Platz zu machen; noch Frauen, die Männer aus dem Weg ellbögeln, um sich trotzig ihren Raum zu schaffen. Gegenseitiger Respekt, gleiche Rechte, die eigene Berufung auszuleben - ungeachtet des Geschlechts. Frauen, die Männer Männer sein lassen und ihre Andersartigkeit annehmen, und Männer, welche sich durch weise Theologinnen und selbstbewusste Pastorinnen nicht bedroht fühlen. 

Ja, gerne! www.beardedgospelmen.net
 

Donnerstag, 4. September 2014

Allesamt verletzte Wesen

Hier begebe ich mich auf dünnes Eis. Mal sehen, ob ihr meine Wahrnehmung teilt oder das anders seht - lasst es mich wissen!

Lese ich Einladungen zu Frauen-Events oder lasse meinen Blick in einer christlichen Buchhandlung über die Produkte schweifen, ist das Wort Nummer 1, das mir begegnet, "Ermutigung".

"Du bist wertvoll!" - "Frauen, ihr seid schön, egal, was die Gesellschaft über eure Fältchen und Love Handles sagt." - "Du bist gut genug, so, wie du bist." - "Jesus liebt dich, auch wenn du dich von Menschen ungeliebt fühlst."

Alles wahre Aussagen! Aber zwischen den Zeilen schimmert da für mich die selbstverständliche Annahme durch, dass wir Frauen allesamt verletzte Wesen sind. Menschen, die ganz automatisch zögern, diese Aussagen für sich anzunehmen. Menschen, bei denen man davon ausgeht, dass sie aus sich heraus kein Selbstbewusstsein haben. Solche Aussagen machen uns Frauen doch trotz der guten Absicht dahinter kleiner, als wir sind - eine Art Diskriminierung mit Goldfolie drum.

Zugespitzt ausgedrückt: Mit dieser Art Veranstaltungen und dieser Literatur scheint man Frauen auf Ermutigung anzufixen. Ermutigende Worte werden zur Droge, anstatt zum erfrischenden Smoothie zwischendurch. Aber brauchen wir das wirklich? Sind wir ständig darauf angewiesen, dass wir von anderen Frauen zugesprochen bekommen, dass wir wertvoll sind? Sagt uns das Jesus nicht jeden Tag selbst? Auch wenn jede von uns ihre Baustellen hat, ihre Selbstzweifel und Ängste - auch Männer haben die. Alle Menschen. Warum werden Frauen - zumindest in meiner Wahrnehmung - so viel öfter darauf angesprochen?

Ich wünschte mir, die Ermutigungs-Welle würde abgelöst durch eine Motivations-Bewegung. Dass Frauen sich nicht nur selber akzeptieren lernen, wie sie sind; nicht nur ihre Talente gebrauchen, von denen sie wissen, dass sie sie haben; sondern Schritte weiter gehen. Dinge ausprobieren, scheitern wagen, anderen Menschen nicht nur dienen, sondern sie auch führen. Ich glaube, Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein ungleich mehr als alle ermutigenden Vorträge und Bücher. 

Die ICF-Ladies-Lounge trägt dieses Jahr den Titel "Bon Voyage". Im Trailer setzen Frauen die Segel auf einem Schiff und fahren in eine ungewisse Zukunft, aufs offene Meer hinaus. Ein schönes Bild, und ich bin sehr gespannt, was ich von der Konferenz mitnehmen kann.

Bild: ICF Movement

Mittwoch, 20. August 2014

Gottes weibliche Seiten

Bild via http://inspire-magazine-online.blogspot.ch
 
Ich glaube, Gott steht über Kategorien wie "schwarz" und "weiss", "Frau" und "Mann". Zwar nennt ihn Jesus "Vater", und wenn ich so darüber nachdenke, tue auch ich das beim Beten. Im hebräischen Urtext der Bibel wird Gott grammatikalisch als männlich definiert (Infos habe ich mangels eigener Hebräischkenntnisse von hier). 

So, wie aber jede/r von uns sogenannt "weibliche" als auch "männliche" Charakterzüge in sich vereint, denke ich, dass Gott nicht nur Eigenschaften besitzt, die traditionell als "männlich" gelten. Beispiel: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jesaja 66,13). Der starke Gott fühlt mit seinen Menschen und tröstet sie zärtlich - was für eine schöne Vorstellung. 

Andere weiblich konnotierte Eigenschaften, von denen ich überzeugt bin, dass Gott sie besitzt: Er freut sich an schönen Dingen in der Natur. Er kommuniziert seine Gefühle und Gedanken - in der Bibel manchmal ziemlich wortreich. (Beides kommt in den beiden Reden Gottes am Ende des Buches Hiob zum Ausdruck.) Er ist gerne Gastgeber und lädt Leute zu sich nach Hause, in den Himmel, ein.

Dazu der Kurzfilm "She" von NOOMA, den ich mir gestern im Gratis-Rental geschnappt habe. Die Aktion ist leider vorbei - anzuschauen gibt's den Film aber für knapp einen US-Dollar auf www.flannel.org.
 

Donnerstag, 7. August 2014

Vom "Berg" herab

Aus aktuellem Anlass - ich bin dieser Tage am Theologischen Seminar St. Chrischona - ein Radiobeitrag von vor einem Jahr. Je nach Ausbildungsort sind bis die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen. Es interessierte mich, wo all diese Frauen nach dem Studium landen - auf den Kanzeln der Schweizer (Frei-)Kirchen nämlich kaum.


http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche--Gesellschaft/Theologie-Die-Huerde-vom-Studium-in-den-Beruf-ist-fuer-Frauen-immer-noch-hoch

Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)




 
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.


Donnerstag, 31. Juli 2014

"Lean In" (1)


Momentan höre ich mir als Audiobook "Lean In. Women, Work and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg an. Darin fordert die Facebook-Managerin Frauen auf, in der Geschäftswelt für gleiche Rechte wie ihre Kollegen zu kämpfen. Sie erzählt aus ihrer eigenen Karriere und gibt Tipps für Frauen, die beruflich Erfolg haben wollen. 
Meine These ist, dass die Situation für Frauen in freikirchlichen Leitungsgremien ähnlich schwierig ist wie in den obersten Etagen der Konzerne. 
Fakt ist: Frauen sind massiv in der Unterzahl. Die Gründe dafür sind verschieden. Einerseits streben Frauen – genau wie in der Geschäftswelt – weniger häufig Leitungspositionen an. Sie werden aber auch viel weniger in eine entsprechende Richtung gefördert. Teilweise liegt das Problem auch bei Vorstandsgremien und Kirchgemeinden, die Frauen bei der Besetzung von leitenden Funktionen nicht berücksichtigen. Weil es relativ wenig berufstätige Frauen im freikirchlichen Berufsumfeld gibt, fehlen auch Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. (Existierende Netzwerke siehe Links)
In den ersten Kapiteln von "Lean In" schreibt Sheryl Sandberg über den "Leadership ambition gap": Männer suchen aktiv Leitungspositionen, Frauen warten darauf, dass sie ihnen angeboten werden. 

Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.

Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen. 

Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt. 

Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag. 

Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.  

Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.

Montag, 28. Juli 2014

"Kompetenzen haben kein Geschlecht"

Quelle: http://www.antonianumroma.org/
"An sich ist es Realität: Die Rolle der Frau in der kirchlichen Gemeinschaft war immer die der Unterstützung, die des Praktischen. Aber wahr ist auch: Man darf nicht festlegen, dies sei die Rolle der Frau. Kompetenzen haben kein Geschlecht. Wo es Kompetenz gibt und Qualifikation, auch etwa bei der Verwaltung einer Sache, da ist es Zeit, dass der Frau nicht bloss das Praktische überlassen wird, als hätte sie nicht die Fähigkeit oder die Reife zum Ausüben von Tätigkeiten, die hinausgehen über die so genannten niedrigen Dienste. Abwertend gesagt – denn in der Kirche ist letztlich alles Dienst. Es gibt in der Geschichte Beispiele von Frauen, die aussergewöhnlichen Weitblick, organisatorische Fähigkeiten und Kreativität an den Tag gelegt haben. In diesem Sinn glaube ich, Papst Franziskus hatte die Gabe, nüchtern eine Situation zu benennen, die in den kirchlichen Gemeinschaften leider oft gegeben ist.

Die Franziskanerin Mary Melone, erste Rektorin an einer Päpstlichen Universität, im Interview mit Radio Vatikan (26. Juli) auf den Hinweis, dass Papst Franziskus kürzlich bekannt habe, dass er leide, wenn er in der Kirche sehe, dass der Dienst der Frau "in Richtung einer Rolle der Fronarbeit" abgleite. Quelle: Katholische Presseagentur Kipa


Weitere interessante Statements zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche im ausführlicheren Artikel bei Radio Vatikan.

Donnerstag, 24. Juli 2014

"Feminism - Oh My God!"

I've felt the need to explain how I understand the term "feminism", and why I decided to use it in the name of my blog. The #FaithFeminisms synchronblog week gave me a reason to do that now.

Dieser Blogpost ist ausnahmsweise auf Englisch, weil ich ihn im Rahmen der "Faith Feminisms" (Glaube und Feminismus)-Blogwoche poste. Der Text ist inhaltlich eine grobe Übersetzung meines ersten Posts "Wo mein Herz schlägt".

I work as a journalist for a christian radio station. A few months ago, I covered a young leaders' conference. Looking through the programme of the weekend, it stroke me that none of the workshops and speeches - roughly a dozen - was held by a woman. During the interview with one of the promoters of the conference, I asked him about this. "Oh, I didn't even notice", he answered, and added defensively: "But anyway, we don't choose speakers because of their gender, but their competence and enthusiasm." 

How can a church hold a conference to inspire young leaders and ignore the women amongst those? Young women need role models; authentic, bright women they can identify with, in order to grow in their faith and develop leadership skills. 

This is not a minor issue. It's about making it clear to young women that they are gifted equally as men, that God calls them equally as men, and that the church needs them equally as men. If people "don't even notice" the lack of women opinion leaders (and, I'm sure, often this isn't even because they follow the complementarian concept of women and men in church, but just because they don't care), it's a shame.

This is not the only example I could tell. In my work, I find it difficult to find female interview partners in the evangelical sector. Much more than within the protestant church in Switzerland. Many christian women stop pursueing a career when they start a family - even today, and that's probably the main reason why they're often missing in boards of christian institutions and churches. They limit themselves to voluntary work instead of looking for senior and professional positions within the church. 

Sadly, I've also talked to several women who felt that it was their calling to study and teach, but who had trouble finding a job as a pastor. One lady even left her (evangelical) church because it wasn't accepted that she wanted to become a pastor, and joined the anglican church. I meet too many people who believe that Paul forbidding women in Ephesus to speak in church is still binding. And I am absolutely frustrated that the growing, modern church in my town still only employs male pastors based their association's interpretation of the famous 1 Timothy 2:11-12.

This is why I am a faith feminist.  

Feminism means to raise awareness for the lack of women on evangelical podiums. 

To encourage women to study theology, to preach, to become a pastor if they feel God calls them to. 

To eradicate the absurd fact that in some evangelical churches women are allowed to lead worship, teach children, teach adults in small groups, be a missionary, write books - but not to preach.

Feminism means urging churches to actively encourage women. And I'm not talking about the "You-Are-Beautiful-And-You-Are-Loved"-Seminars. I'm talking about hard core theology and intellectual discussions, about pastoral positions and church councils.

Feminism is about encouraging women to raise their voice and NOT remain silent in the churches.