Dienstag, 18. November 2014

Krieg und Frieden

Zwei weise Männer haben mich mit ihren Worten in der letzten Woche getroffen - und verunsichert. Zwei Gelehrte, Theologen - und Friedensstifter. 

Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat." 

Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen. 

Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.

Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.

Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.

Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.

"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)

Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.

Sonntag, 9. November 2014

Ich will raus aus der Schublade!


Schönes Wochenende gehabt? Danke, ja, ich auch! Obwohl: Ich bin wieder mal in einer Schublade gelandet. Ja, passiert mir hin und wieder. Diesmal war es ausgerechnet eine von denen, die mir am unbequemsten sind: die Schublade „evangelikal“. Wieder einmal ist ein langer Artikel in einer Sonntagszeitung erschienen, der „die Freikirchen“ in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Sekten rückt. Grösster Kritikpunkt: konservative Werthaltungen. Zwar besagt die zitierte Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz bereits, dass es drei grobe Richtungen innerhalb der Freikirchen gibt (charismatisch, klassisch, konservativ). In die Schublade „evangelikal“ werden dann doch alle geworfen. Also, weil Freikirchenbesuche zu meinem Glauben gehören, auch ich.

Ich mag die Schublade nicht, weil sie für mich zu klein ist. Die Definition von „evangelikal“ lautet „am Evangelium orientiert“, also kurz gesagt, „bibeltreu“. Dass laut der Freikirchen-Studie nur die Hälfte der Mitglieder für eine wortwörtliche Auslegung der Bibel plädieren, zeigt bereits, dass dieser Begriff nicht pauschal verwendet werden dürfte.

Denn es gibt sie, die Liberalen in den Freikirchen. Und obwohl die konservativ Denkenden überwiegen, wird die Situation verzerrt, indem Medien genau diejenigen Probleme zitieren, welche auch innerhalb der Kirchenmauern heiss diskutiert werden. Kreationismus, ausserehelicher Sex und Homosexualität sind die drei Diskussionen, auf welche man als Besucherin einer Freikirche am meisten angesprochen wird – aber auch genau die Dinge, in welchen sich Gläubige untereinander am wenigsten einig sind. Innerhalb der Freikirchen findet vielerorts ein Diskurs statt über Punkte, in denen die traditionelle Auslegung der Bibel mit der heutigen Lebenswelt am stärksten auseinanderklafft. In evangelikalen Verbänden wird gerungen, wie das Wesen des christlichen Glaubens heute interpretiert werden soll, ohne es zu verleugnen.

Ich wünsche mir, dass diese Diskussion transparenter geführt wird. Dass kirchliche Leitungspersonen zugeben können, dass sie oft überfordert sind mit ihrer Aufgabe, das Christentum in der heutigen Zeit zu vertreten. Einer Zeit, wo manche der jahrtausende alten Worte der Bibel irritieren – und zwar nicht positiv. Dass Freikirchen es wagen würden, traditionelle Interpretationen zumindest zur Diskussion zu stellen, wäre dringend nötig. Denn wenn sie gegen aussen mit fixen Wertehaltungen auftreten, obwohl hinter den Kulissen die Diskussion brodelt, schadet dies nicht nur dem Image. Es verärgert auch diejenigen in den eigenen Reihen, die an der Diskrepanz zwischen Dogma und Lebenswelt verzweifeln. Oder die mit guten Argumenten eine andere Meinung als die Kirche haben, aber in der Öffentlichkeit nicht gehört werden.

Gäbe es mehr Transparenz, würden die Besucherinnen und Besucher der Freikirchen vielleicht weniger oft pauschal als konservativ, weltfremd und intolerant abgestempelt. (Oder, dies ist mir persönlich manchmal nicht klar, als leichte Beute, die man vor den bösen Predigern beschützen müsste...) „Freikirchlerinnen“ und „Freikirchler“ sind ganz normale Menschen. Die meisten durchaus intelligent genug, für sich selber zu denken und ihre Meinung aus verschiedenen Quellen und Inspirationen zu bilden. Ich wünschte mir, dass die Öffentlichkeit das mehr anerkennt - aber auch die Leitungsgremien der Freikirchen, damit Diskurse geöffnet werden.



(Im angelsächsischen Raum ist dies bereits geschehen: Shane Claybourne und Brian McLaren plädieren für grundlegend andere Kirchenformen – beide auf unterschiedliche Weise. Die Sängerin Vicky Beeching hat extra einen Master in Theologie gemacht, um festzustellen, dass sich Homosexualität und Glaube nicht ausschliessen. Und der Pastor Rob Bell spaltet mit seinen kontroversen Ansichten zu verschiedenen Themen die amerikanischen Kirchen. So werden andere Ansichten als die traditionellen Überlieferungen zumindest zur Diskussion gestellt. Für Menschen, die im Glauben einfache Antworten suchen, macht es dies nicht einfacher. Aber selber denken rules!)

Sonntag, 2. November 2014

Tania Harris: Leben in Kommunikation mit Gott


Heute habe ich eines meiner Vorbilder getroffen: die Australierin Tania Harris. 
Quelle: godconversations.com
Tania spürte Anfang 20 den grossen Wunsch, Gottes Stimme deutlich zu hören und herauszufinden, wie er zu Menschen redet. Auf ihrer persönlichen Reise hat sie dazu so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, dass sie vor einigen Jahren die Arbeit „God Conversations“ gründete. Ihr Ziel ist es, Menschen zu sagen, dass Gott heute noch spricht, und ihnen zu helfen, Gottes Stimme zu hören und zu verstehen.
In ihrem Podcast habe ich in den letzten zwei Jahren viel gelernt. Da ich oft und lebhaft träume und mich oft auch gut an meine Träume erinnere, hat mich auch ihr Hörbuch Awaken your dreams sehr angesprochen. Manchmal gibt es Träume, die anders sind, bei denen man merkt, dass darin etwas Hilfreiches für das eigene Leben verborgen liegt. Tania hat eine Art „Werkzeug“ entwickelt, mit denen man solche Träume ohne jeden Hokuspokus interpretieren kann. Im Moment geht sie in ihrem Podcast auf das letzte Buch der Bibel ein: die Offenbarung. Und da Johannes diese Vision als eine Art Traum hatte, geht sie die Offenbarung mit genau dem gleichen „Werkzeug“ an wie in „Awaken your dreams“. Eine theologische Vorgehensweise, die mich sehr fasziniert und in ihrer Unerschrockenheit angesichts dieses mysteriösen und umstrittenen Buches überzeugt.
Tania hat in ihrem Leben gelernt, auf Gott zu hören und im Vertrauen Schritte zu gehen, die zuerst absurd erscheinen. Aufgewachsen ist sie in einer sehr konservativen christlichen Gemeinschaft und war schockiert, als etwas später ihre neue Gemeinde eine Frau als Pastorin anstellte. Damit wurde sie auf ihre eigene Berufung als Pastorin vorbereitet. Heute ist neben den „God Conversations“ auch die Ermutigung von Frauen in leitenden Positionen bzw. auf dem Weg dorthin ein wichtiges Thema für sie. Tanias Geschichte, die sie in einer Folge ihres Podcasts erzählt hat, war für mich einer der Anstösse, „Feminism OMG“ zu starten.  
Mit ihrem Mut, ihrer Autorität, Intelligenz, ihrer Femininität und positiven Ausstrahlung ist sie für mich ein grosses Vorbild. Ein Vorbild, die eigene Berufung herauszufinden und ihr entlang der persönlichen Freundschaft mit Gott nachzugehen. Es war schön, Tania Harris heute im Rahmen einer Predigt in der GVC Uster persönlich zu treffen und mit ihr auszutauschen!