Dienstag, 14. April 2015

Lohnt es sich, für Veränderung zu kämpfen?

"Starke Frauen in der Kirche", heisst mein Blog. Doch momentan besuche ich selber gar nicht regelmässig eine Kirche.

Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich länger keinen Blog-Eintrag veröffentlicht habe. Ich stelle mir die Fragen: Wenn so vieles meiner Ansicht nach falsch läuft in der Welt der Kirchen, warum überhaupt kämpfen? Wenn ich nicht an die Zukunft von Kirchen glaube, wie ich sie heute kenne, warum investieren? Dabei ist die ungleiche Machtverteilung von Männern und Frauen nur ein Aspekt. Dass ich überhaupt darauf komme, von "Macht" zu sprechen anstatt von Förderung und Potenzial, zeigt einen anderen Punkt auf, der mir an der Kirche missfällt. Dann die Frage nach Finanzen, nach Strukturen, die Ressourcen verschlingen, die man direkter für gute Zwecke einsetzen könnte. Strukturen im Allgemeinen - braucht es tatsächlich so viele Angebote, wie sie die Kirchen anbieten? Sie füllen die Agenda und gehören zum Werben um neue Besucherinnen und Besucher. Und das geschieht vielleicht nur unter dem Vorwand, sie mit dem liebenden Gott bekannt zu machen. Und manchmal auch vor allem, um Mitglieder zu gewinnen, um Erfolge feiern zu können, das Ego der Gemeinde zu streicheln. 

Dies sind alles negative Beispiele, die gewiss so geschehen. Aber die mir oft auch den Blick auf die positive Seite von Kirche verdecken. Dass einsame Menschen Freunde finden, und Suchende Gott kennen lernen können. Dass Menschen durch die regelmässigen Impulse an sich und an der Gemeinschaft arbeiten. Dass sie immer wieder motiviert werden, sich für andere einzusetzen. Die sozialen, diakonischen Arbeiten der Kirchen etwa für Ausländer und alte, alleinstehende Menschen nicht zu vergessen. 

Ich bin hin- und hergerissen zwischen diesen positiven, auch biblischen Seiten der Kirchen, und den Problemen, die ich beobachtet habe. Wahrscheinlich befinde ich mich "between churches". Ich suche, wie so viele meiner Freunde, geistliche Impulse in Podcasts und "Gemeinde" in den alltäglichen Freundschaften. Doch obwohl ich überzeugt bin, dass dies kein falscher Weg ist, fehlt mir etwas.

Ich wünsche mir eine Kirche, die gesund ist. Wo die Frage sich erübrigt, ob Frauen irgend etwas auch "dürfen". Aber auch die anderen Fragen. Und ich frage mich, ob es diese Kirche überhaupt gibt. 

Im Gespräch mit Freunden kürzlich fiel der Vergleich mit einer Beziehung: Den perfekten Partner gibt es nicht. Wir sind Menschen, wir machen nicht nur Fehler, wir sind auch einfach grundsätzlich verschieden, und das macht das Zusammenleben schwierig. Trotzdem wollen wir Beziehungen. Wollen wir Gemeinschaft. Aber: Eine Beziehung baut auf einem grundsätzlichen "Ja" zueinander auf. Und wahrscheinlich braucht es das auch, um sich in einer Kirche als Mitglied einzubringen. Hat man kein grundsätzliches "Ja", stimmt zu vieles schon von Anfang an nicht, dann überwiegt schlussendlich der Krampf über den Gewinn von Gemeinschaft. 

Diese Kirche habe ich noch nicht gefunden. Bis dahin suche ich mir Impulse aus anderen Quellen. Suche Gemeinschaft mit Menschen ausserhalb der Kirche. Mit starken Frauen und weniger starken Frauen, und mit ebensolchen Männern. Genau so, wie es eigentlich auch in der Kirche sein sollte.

Kommentare:

  1. Liebe Evelyne

    Ich verstehe deine Gedanken nur zu gut! Und eigentlich wärs interessant über ganz viel zu reden, was du geschrieben hast und trotzdem weiss ich gar nicht recht wo anfangen.
    Eine Schwierigkeit dünkt mich, dass sich die Freikirchen, die wir heute so kennen, alle sehr ähneln. Ich vergleiche die Freikirchen darum manchmal gerne mit Radio Argovia --> sie sprechen das christliche Mainstream Publikum an (und ich meine das nicht abwertend). Querdenker, Leute die nicht ins Schema passen und die gewisse Normen grundsätzlich hinterfragen, Leute, die einen anderen Lebensstil haben etc. fühlen sich in diesen starken Strukturen glaub automatisch nicht besonders wohl. Als Radiohörerin kann ich auf virus umschalten ;), aber als Kirchengängerin bin ich im ersten Moment etwas aufgeschmissen.
    Aber es bietet denke ich auch Chancen. Gerade weil, wie du auch andeutest, sich immer mehr Leute solche Gedanken machen. Ich finde es so wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was Kirche denn überhaupt sein soll, und (sehr wichtig in meinen Augen) was nicht. Was ist zentral, worum geht es, und wie kann ich Kirche leben. Wenn man persönliche Antworten auf diese Fragen findet, kann Frisches entstehen.. und die Christenheit wird dadurch vielleicht etwas farbiger :) lieber Gruss aus Aarau, Nadine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Nadine, danke für deinen Kommentar! Dein Vergleich mit dem Mainstream-Radiosender passt schon irgendwie... Gegen aussen wirken Freikirchen aufgeschlossener, moderner, aber von den Werten her sind sie tendenziell konservativer und normativer als die evangelisch-reformierte Kirche. (Pauschalisiert...)
      Ich habe mir gerade ein Buch bestellt, von dem ich mir einige Antworten zu diesem Thema erhoffe und Impulse für meine persönliche Suche danach, was ich mir von der Kirche wünsche: "Searching for Sunday. Loving, Leaving and Finding the Church" von Rachel Held Evans. Update auf dem Blog folgt :)

      Löschen
  2. Liebe Evelyne

    Heute habe ich in der neuen Joyce deinen Artikel gelesen, der mich sehr angesprochen hat
    Im Moment denke ich auch viel über das Frau oder Mann sein, allgemein und im Glauben nach.
    Mir gefällt der Apostolische/Prophetische Dienst Kingdom Impact aus Konstanz sehr gut, die Hauptleiterin ist eine Frau mit echter Power.

    Gruss Angela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Angela,

      danke für deinen Kommentar, er ermutigt mich, dranzubleiben! Danke für den Hinweis. Sieht interessant aus, vielleicht schau ich da mal rein!

      Herzlich, Evelyne

      Löschen