Montag, 19. September 2016

T -45 Minuten

Ich war mindestens eine Stunde verspätet, hatte unnötigerweise zwei Schultaschen gekauft (Schultaschen?!) und auf meinem Handy liess sich die korrekte Raumnummer nicht aufrufen, so dass ich in jedes Zimmer einen Blick werfen musste.

Check - der obligate Traum vom Zu-spät-kommen am ersten Studientag. Jetzt kann’s losgehen.

In 45 Minuten beginnt das erste Seminar. Ich fühle mich schon ein bisschen wie am ersten Schultag. Die „Gspänli“ habe ich schon mal gesehen, aber mit wem man sich dann schlussendlich anfreundet, weiss man ja jetzt noch nicht. Ich habe einen Leuchtstift und etwas Papier eingepackt, einfach für den Notfall oder vielleicht für im Hebräischunterricht, ich möchte eigentlich mein Studium so papierlos wie möglich gestalten. Evernote ist aufgeräumt und parat. Jaja, ich war schulisch schon immer recht fleissig, scho chli eine Streberin.

Der Junge im Abteil neben mir im Zug hat wohl heute auch seinen ersten Studientag. Frisch ab Matur, mit neuer Umhängetasche. An meinen allerersten Studientag an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, vor - ähm, rechnen - 12 Jahren? kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Die letzten Tage fühlte ich mich ein bisschen wie in einem Vakuum. Letzte Woche schloss ich noch das letzte Modul meines Fernstudium-CAS ab. Danach hatte ich irgendwie nichts mehr zu tun. Wo ich im Zug sonst immer ein Buch oder einen Text dabei hatte, das ich hätte lesen sollen, konnte ich jetzt ohne schlechtes Gewissen Hörbücher hören und Sudoku lösen. Gleichzeitig wusste ich, dass es ab heute happig werden wird, Hebräisch statt Hörbücher, und dass Ausschlafen und Sudoku dann nicht mehr drin liegen. Ja? Der Junge im Abteil neben mir löst gerade das schwierige Sudoku in 20 Minuten.

Am Wochenende gehe ich wandern. Zwei Tage, Hüttenübernachtung. Ob ich dann schon Wörterkärtchen im Rucksack mittragen werde? Oder noch ohne schlechtes Gewissen die Berge geniessen kann?

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